Baustelle und Rekonstruktion

Ein Königshof entsteht
Die Reisestation Karls IV.: Eine der größten mittelalterlichen Schaubaustellen Europas

An der Goldenen Straße: Die Reisestation des Kaisers

Direkt an der Goldenen Straße, etwa auf halbem Weg zwischen den Reichsstädten Nürnberg und Prag, entsteht eine Reisestation des 14. Jahrhunderts – der Zeit, als Karl IV. sein Reich bereiste und die Goldene Straße zu einem der wichtigsten Fernhandelswege Europas machte.

Ein prächtiger Palas, zwei solide Fachwerkhäuser, ein trutziges Torhaus, eine würdige Kapelle und eine schützende Wehrmauer machen die Baustelle zur zweitgrößten Mittelalterbaustelle Europas, deren Bauzeit auf insgesamt 20 Jahre veranschlagt wird. Für den Geschichtspark wird mit der 1.500 qm großen Reisestation ein neues Zeitfenster eröffnet: Der Steinbau des Spätmittelalters beginnt!

Bauen wie im Mittelalter: Die Schaubaustelle

Getreu des selbst gewählten Mottos wird selbstverständlich  jeder Balken von Hand behauen, jeder Granitstein in zeitgenössischer Art gespalten, der Kalk selbst gebrannt und das Erz in mittelalterlicher Technik zu Eisen verhüttet. Eine Vielzahl unterschiedlicher Gewerke arbeitet dafür mit verschiedensten Materialien Hand in Hand.

Ein sechsköpfiges Team aus deutschen und tschechischen Handwerksmeistern, bestehend aus Steinmetz, Maurer, Zimmermann, Schmied und Landschaftsgestalter bilden den Motor des Bauprojektes. Unterstützt von freiwilligen Helfern wächst die Baustelle zusehends und ist inzwischen zum riesigen Freiluftlabor geworden, in dem mit nahezu jeder denkmalpflegerisch relevanten Materialgruppe gearbeitet wird.

Bauhütten und authentische Werkzeuge:

Für mittelalterliches Bauen ist ein komplexes Bauhüttenwesen vonnöten. Die ersten Baujahre wurden mit der Herstellung von Werkzeugen – belegt durch Ausgrabungen oder mittelalterliche Abbildungen, dem Errichten der Bauhütten, der Rekonstruktion des durch Muskelkraft betriebenen Krans und dem Bau der Öfen verbracht. Immer wieder unterbrach das intensive Studium regionaler Materialien und Baudenkmäler die Arbeit.

Fünf Immaterielle Kulturerbe werden bei der Arbeit bewahrt und weitergegeben: das Bauhüttenwesen, das Brennen und Verarbeiten von Kalk, das Teerschwelen, das Weidenflechten und das Wandergesellenwesen.

>>> Flyer zur Bauhütte Bärnau

Kompetenzzentrum für historisches Handwerk und historische Baustoffkunde:

Ein Großteil des Wissens, das zur authentischen Rekonstruktion der Reisestation benötigt wird, ist heute nicht mehr oder nur noch bruchstückhaft verfügbar. Althergebrachtes wurde durch die Industrialisierung verdrängt und geriet in Vergessenheit. Das Kompetenzzentrum für historisches Handwerk hat es sich zur Aufgabe gemacht, noch bestehendes Wissen zu bewahren und Lücken zu schließen.

Unter Leitung des Handwerkerteams sind Profis und Laien eingeladen, alte Techniken in praktischer Anwendung zu erlernen.

Handwerker können die Wurzeln ihres Gewerkes aufspüren, Denkmalschützer optimale Restaurierungsmethoden kennenlernen oder Jugendliche das Wesen guten Handwerks begreifen.

(1) Der Königshof:

Allein die 3m hohe Umfassungsmauer, die ein Areal von 41 x 32 m umschließt, benötigt rund 1.000 Kubikmeter von Hand gespaltenen und zugehauenen Granit. Das verwendete Material stammt aus einem Umkreis von 40 km. Alles, vom Balken bis zum Mörtel, wird auf dem Gelände in Originaltechnik von ineinander verzahnt arbeitenden Gewerken hergestellt.

(2) Der Kran:

Die Eigenkonstruktion, basierend auf Buchmalereien, kann von einer Person geschwenkt werden, zwei Personen können ein Gewicht von 600 kg heben. Er ist komplett zerlegbar und kann auf zwei mächtigen Holzschienen an der Mauer entlang versetzt werden.

(3) Der Kalkbrennofen:

Bei kontinuierlicher Hitze von 1.000 °C über 4 Tage hinweg können aus ca. 3 to Kalkstein 2,2 to Branntkalk erzeugt werden, der später mit Wasser und Sand zu Putz und Mörtel verarbeitet wird. 15 Ster Brennholz lassen Ofentüren und Kalksteine dabei kirschrot glühen.

(4) Die Sägehütte:

Um die große Säge exakt führen zu können wird senkrecht mit Hilfe der Schwerkraft gearbeitet. Ein Arbeiter steht auf dem Podest, ein zweiter unter ihm in der Grube, das Sägegut wird zwischen Ihnen hindurchgeführt. Das Schöpfrad hält die Grube, in der sich leicht Wasser ansammelt, trocken.

(5) Der Rennfeuerofen:

Eisenerz und Holzkohle werden abwechselnd in den Ofen geschichtet und entzündet. Durch eine Tondüse wird mithilfe eines Blasebalgs Sauerstoff zugeführt, eine Temperatur von über 1.000 °C lässt die Schlacke schmelzen und ablaufen. Im Ofen verbleibt das reine Eisen.

(6) Der Steinbruch:

Da es am Geschichtspark keine Granitvorkommen gibt, wird der künstliche Steinbruch mit tonnenschweren Graniblöcken aus der Umgebung befüllt. Dort werden sie per Hand gespalten und auf hölzernen Karren zur Baustelle transportiert.

Die Bauherrensprechstunden

In regelmäßigen Terminen finden Sprechstunden zu festgelegten Themen statt.  Diese sind zweisprachig Deutsch und Tschechisch, in Präsenz oder online. Interessierte können ihre Fragen einsenden und sich in der Sprechstunde mit den Handwerkern austauschen. Dabei geben die Handwerker weitere Informationen zu dem jeweiligen Thema. Die Fragen und Antworten werden an dieser Stelle veröffentlicht.
Diese Aktion wird gefördert durch das Bayerische Staatsministerium der Finanzen und für Heimat.

>>> Bauherrensprechstunde am 08.04.2022: Bau und Funktion des Kalkbrennofens

>>> Bauherrensprechstunde am 04.05.2022: Einfache Holzverbindungen für den Hausgebrauch

>>> Bauherrensprechstunde am 20.06.2022: Lehm als Baustoff

Aktuelle Experimente und Arbeiten

Bei früheren Tests wurde festgestellt, dass durch Zugabe von Quark die Witterungsbeständigkeit des Mörtels erhöht wird und dass Leinöl im Mörtel für eine größere Dichte sorgt. Wir testeten dieses Mal verschiedene Kalk-Kasein-Anstriche.

>>> Laborproben Kalkmörtel (Mai 2022)

>>> Erster Kohlenmeiler (Juni 2022)
Video: Anstechen des Kohlenmeilers
Video: Gießen des Kohlenmeilers
Video: Öffnen des Kohlenmeilers
Video: Glutnest