Die Turmhügelburg oder auch Motte

Die Turmhügelburg oder auch „Motte“

110812mottemitdorf.jpgDie Motte, eine kleine Sicherungsburg, ist das Kennzeichen der politischen Veränderung in Nord- und Mitteleuropa. Sie stellte praktisch das Herrschaftszeichen an den meisten größeren Ortschaften und an wichtigen Übergängen und Grenzen dar. "Kleinritter", sogenannte Ministerialen, die dem höheren Adel unterstanden, waren die neuen Herren in den Ansiedlungen und dienten diesen, indem sie für Sicherheit und Ordnung sorgten, das heißt, die neuen Interessen vertraten. Diese frühen Holzburgen waren mächtige Türme, deren unteres Drittel in einem künstlichen Erdhügel steckte. Diese Maßnahme sollte zusammen mit Graben und Palisade vor Rammböcken schützen. Gleichzeitig war der hochaufragende Bau natürlich ein Machtsymbol. Der seltsame Name Motte wurde aus dem französischen übernommen, wo diese Form „Château à la Motte“, also „Burg auf dem Hügel“ genannt wurde. Hier brachten die Normannen diese Bautechnik zur Blüte.

Darüber, wie eine Motte genau aussah, fehlen Pläne. Umso spannender, dieses Bauwerk, das neben den ersten Kirchen als Symbol für eine neue Zeit anzusehen ist, nach den Erkenntnissen der Wissenschaft und den wenigen überlieferten Bildern zu rekonstruieren.

110812motte.jpgAuch an anderer Stelle in Deutschland ist diese Idee Wirklichkeit geworden, ob in Baden Württemberg mit der "Bachritterburg" oder in Norddeutschland die „Lütjenburg“. Allerdings gibt keines dieser Bauwerke eine so frühe Zeitstellung wie unser Projekt wieder.Wie sich um diese Zeit das Leben im einfachen Dorf abspielte, welche Veränderungen auch der neue christliche Glaube für die einzelne Familie mit sich brachte und welche Verwaltungsstrukturen entstanden, darüber schweigen die Urkunden, die uns nur von Königen und Klöstern erzählen. Das Dunkel der Geschichte muss also durch Ausprobieren gelichtet werden.110812motteausblick.jpg

Auch die Kirche ist ein hölzernes Bauwerk. In ihrer Form findet der heutige Besucher Vertrautes, die Konstruktion aber ist altertümlich und frei vom Zierrat, der im Laufe der Geschichte unsere Kirchen überfrachtet hat. Der große hallenartige Bau ersetzt den alten heidnischen Opferplatz, der abseits des Dorfes ungenutzt verwildert und in die Natur zurücksinkt.