Tirschenreuther Landrat Wolfgang Lippert unterstützt den Geschichtspark

101119_besuch_landrat.jpgBärnau. Wolfgang Lippert ist begeistert. "Hier entsteht ein Leuchtturm für die ganze Region", schwärmte der Landrat. Zum ersten Mal stattete der Kreischef der Geschichtspark-Großbaustelle in Bärnau einen Besuch ab. Seit rund sieben Monaten wird auf dem 6,5 Hektar großen Gelände gewerkelt. Ende 2013 soll das 4,4 Millionen Euro teure Projekt fertiggestellt sein.

In drei Bauabschnitten ist das Vorhaben aufgeteilt, das Projektleiter Benjamin Zeitler und Archäologe Stefan Wolters dem Landrat vorstellten. Derzeit werden die Gebäude für die slawische Siedlung aus dem neunten Jahrhundert errichtet, eine Turmhügelburg und ein Hochmittelalterdorf werden folgen.

Wenn alle 20 Gebäude fertiggestellt sind, können die Besucher eine Zeitreise durch die Besiedelungsgeschichte der Region vom 9. bis zum 13. Jahrhundert antreten. "Hier wird das größte archäologische Freilandmuseum im gesamten süddeutschen Raum entstehen", so Zeitler.

Die Park-Macher setzen auf wissenschaftliche Unangreifbarkeit. So werden bei den Häusern nur authentische Baustoffe und Techniken eingesetzt. Und das Projekt wird zudem vom wissenschaftlichen Beirat, einem hochkarätig besetzten Expertengremium begleitet.

Aktuell befinden sich auf dem Geschichtsparkgelände bereits ein frühmittelalterlicher Tierunterstand, ein Lehmkuppelofen mit Dachüberbau und mehrere Flechtzäune. Auch der naturnahe Teich wurde bereits angelegt. Errichtet werden derzeit ein Gruben-, ein slawisches Standard- und ein einfaches Wohnhaus. Und in Angriff genommen ist das Informations- und Dokumentationszentrum, in dem unter anderem ein gastronomischer Betrieb und Seminarräume beheimatet sein werden.

Viel Geld wurde bereits auch verbuddelt. So mussten oberirdische Stromleitungen im Erdreich versenkt werden. "Rund 900 000 Euro sind mittlerweile verbaut worden", schätzt Alfred Wolf, Park-Initiator und Vorsitzender des Trägervereins Via Carolina. 80 Prozent der Investitionssumme werden vom Bayerischen Kulturfonds, der Europäischen Union, dem Bezirk Oberpfalz und dem Landkreis Tirschenreuth gefördert.

Zehn Prozent werden durch Eigenleistungen erbracht. Weitere 440 000 Euro muss der Verein aus eigener Tasche drauflegen. "Wir sind dringend auf Sponsoren angewiesen." Gefüllt wird die Projekt-Kasse zudem durch die Vereinsbeiträge der mittlerweile 314 Via Carolina-Mitglieder.

"Schön wäre es, wenn sich zum Beispiel gastronomische Betriebe aus der Region uns anschließen würden", wünscht sich der Vorsitzende. Denn der Geschichtspark werde sich zu einem absoluten Tourismusmagneten entwickeln, ist Wolf überzeugt.

Für das Projekt hatte der Via Carolina-Chef auch die tschechischen Nachbarn begeistern können. In der Nähe von Tachov soll auf der Trasse der Goldenen Straße eine Raststation aus dem 15. Jahrhundert nachgebaut werden mit Taverne, Pferdestall und Nachtlager.

Die Projekt-Macher legen bei ihrem Vorhaben großen Wert auf Nachhaltigkeit. So soll der Geschichtspark das ganze Jahr über mit Leben erfüllt sein. Mittelaltergruppen haben bereits Bereitschaft signalisiert, in die Häuser einzuziehen. Der Park soll auch Geschichts- und Archäologie-Studenten für Forschungsarbeiten offen stehen.

Aus: Der Neue Tag vom 20.11.2010