Kinder bauen mittelalterlichen Lehmofen im Geschichtspark

dsc_0114.jpgKaum ist der Platzregen vorüber, verlassen die Kinder die Scheune und machen sich sofort wieder auf den Weg zur Baustelle. Die liegt dort, wo in einigen Monaten das frühmittelalterliche Dorf im Geschichtspark an der Naaber Straße entsteht. Zwölf Kinder haben sich im Ferienprogramm angemeldet und bauen einen voll funktionalen Lehmofen, wie er im Mittelalter verwendet worden ist. Am 9. September werden sie darin erstmals Brot und Fladen backen. Die Zwangspause, bedingt durch den Regen, hat der Vorsitzende des Vereins Via Carolina, Alfred Wolf, sinnvoll genutzt und ein Partyzelt besorgt. Damit lässt sich der Ofen hervorragend schützen, der 14 Tage an der Luft trocknen muss.

dsc_0064.jpgDen Lehm, den die Ofenbauer verwenden,hat das Ziegelwerk Hart in Schirnding spendiert. Mit Wasser und Stroh wird er vermengt und durchgeknetet, bis er die richtige Konsistenz als Baumaterial aufweist.
Der Leiter der Aktion, Archäologe Stefan Wolters, legt da einen sehr strengen Maßstab an. „Geh doch bitte mal nach vorne und sag den Lehmmischern, dass die letzte Lieferung viel zu nass war“, sagt er zu Kathrin Wolf. Sie gibt die Botschaft an die beiden Männer weiter, die mittels einer professionellen Knetmaschine aus dem Bäckerhandwerk den Baustoff herstellen. Alois Spitzner, Obermeister der Bäckerinnung Nordoberpfalz, ist extra aus Pressath angereist. Er interessiert sich sehr für Geschichte und ist der Einladung seines Kollegen, Bäckermeister Herbert Seer aus Hohenthan, gerne gefolgt. Der hat auch das Stroh, das nicht länger als zehn Zentimeter lang sein darf, mit einem scharfen Beil auf die richtige Länge gebracht. Eine Familie aus München, natürlich Mittelalter-Fans, ist angereist. An der Baustelle wuseln um die 15 Leute herum. Aus der Ferne betrachtet bilden sie zwei Kreise. Aus der Nähe wird deutlich, dass es sich im Prinzip um zwei Baustellen handelt. An der künftigen Feuerstelle arbeiten im Moment nur Mädchen. Am eigentlichen Ofen die Jungs und der Archäologe. Stefan Wolters blutet bereits an der Hand. Ob er nicht ein Pflaster wolle. „Nein“, wehrt er ab, „ich mache das so wie es im Mittelalter üblich war, ich ignoriere die Verletzung einfach.“

dsc_0189.jpgUm 10.30 Uhr haben die Baumeister mit ihrem Werk begonnen, um 16 Uhr sind sie fertig. Der Ofen bleibt an Ort und Stelle am Dorfrand stehen und wird im Geschichtspark zum Backen benutzt. Aus lauter kleinen Lehmkugeln, die sie mit den Händen formten, haben die Kinder den Grundriss des Ofens gebaut. Innen wurde er mit Feldsteinen ausgekleidet.
Die dienen später als Energiespeicher. In der Mitte wurde ein Sandhügel aufgeschüttet und ebenfalls mit dem Lehm-Stroh-Gemisch verkleidet. Nach dem Trocknen wird der Sand einfach herausgekratzt und
es bleibt die Lehmkuppel stehen.

von Norbert Grüner - Veröffentlicht im Neuen Tag am 01.09.2010.

Bilder BZ