Kooperationspartner an der Ostsee

aaa-klein.jpgDer Geschichtspark Bärnau-Tachov ist sowohl im Aufbau als auch vom Betrieb her eine große Herausforderung. In seiner Art und Absicht stellt er eine einmalige Einrichtung im gesamten süddeutschen Raum dar. In Norddeutschland und Skandinavien gibt es jedoch bereits ähnliche Anlagen, die seit mehreren Jahren tausende von Besuchern in ihren Bann ziehen. Der Projektleiter Benjamin Zeitler hat sich zusammen mit dem Wissenschaftlichen Leiter Stefan Wolters auf den Weg gemacht, um deren Erfahrungen einzuholen, davon zu lernen und Kooperationen in die Wege zu leiten.

dscf0999-klein.jpgErste Station der Informationsreise war der Bauspielplatz Roter Hahn in Lübeck. Dort werden seit zehn Jahren zusammen mit Kindern und Freiwilligen mittelalterliche Häuser errichtet. Als Sozialprojekt wird diese Maßnahme von zwei Sozialpädagogen betreut. Ziel ist hier vor allem, den Kindern nachmittags die Möglichkeit zu bieten, ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten, gleichzeitig mehr über die Geschichte zu erfahren und so einen sozial kritischen Stadtteil zu befrieden. Vor allem das erfolgreiche pädagogische Programm begeisterte die Besucher aus der Oberpfalz und man konnte sich einige Ideen für den Geschichtspark mitnehmen. Im Oldenburger Wallmuseum (Holstein), konnten im Anschluss Erfahrungen über den Langzeitbetrieb eines Museums eingeholt werden. Seit 1983 steht hier bereits ein Museum an Original-Ausgrabungsstätten. Betreiber ist hier ebenso ein Förderverein, der seit 2009 einer gemeinnützigen Betreibergesellschaft zuarbeitet. Durch die Errichtung einer mittelalterlichen Siedlungsanlage und deren zeitweise Belebung konnte eine enorme Attraktivitätssteigerung erreicht werden. Im letzten Jahr konnte das Museum dann 16.000 Besucher mit steigender Tendenz verbuchen. Der Förderverein arbeitet tatkräftig mit, dass der Unterhalt überschaubar und die Anlage finanzierbar bleibt.

Höhepunkt der Informationsfahrt war sicherlich der Besuch des Middelaltercentret in Nykøbing in aaa-klein4.jpgDänemark, das seit fast 30 Jahren erfolgreich arbeitet. Eine mittelalterliche Hafenanlage und ein Dorfleben bilden den Kern des authentischen Bereichs. Durch die laufende Belebung mit authentischen Mittelaltergruppen haben sie einen hohen Attraktivitätsgrad erreicht. Insgesamt 70.000 Besucher strömen jedes Jahr in der kurzen Saison von Mai bis September nach Nykøbing, um ins Mittelalter einzutauchen. Es zeigte sich, dass gerade das Zusammenspiel von authentischen Rekonstruktionen und einer Belebung durch Mittelaltergruppen äußerst erfolgversprechend ist. Dies bestätigte auch die letzte Station, die das Projektteam des Geschichtsparks ebenso begeisterte. Die Turmhügelburg Lütjenburg ist ein aus ehrenamtlicher Initiative entstandenes Projekt, das seit 2002 aufgebaut und ständig erweitert wird. Mittlerweile ist eine stattliche Anzahl an Gebäuden entstanden, ähnlich wie in Bärnau mit einer Turmhügelburg als Zentrum und Herr Dygutsch, der entscheidend für den Bau und auch den Betrieb innerhalb des Fördervereins zuständig ist, konnte wertvolle Hinweise für Bau und Unterhalt der Gebäude geben. Allein im letzten Jahr kamen 60.000 Besucher, um in Lütjenburg das Mittelalter zu erleben.

Insgesamt war die Fahrt für das Projektbüro eine weitere Bestätigung für den Geschichtspark Bärnau-Tachov. Alle Gesprächspartner zeigten sich begeistert, dass nun endlich auch in Süddeutschland eine solche Einrichtung entsteht und wollten unbedingt für den weiteren Verlauf als Kooperationspartner zur Verfügung stehen. Somit haben Stefan Wolters und Benjamin Zeitler nicht nur wertvolle Informationen und Erfahrungen für den Geschichtspark Bärnau-Tachov gesammelt, sondern auch die Basis für zukünftige Partnerschaften und gemeinsame Programme gelegt.