Bundestagsabgeordneter zu Gast in Bärnau
Kultur des Mittelalters erleben
Gestern noch war der Geschichtserlebnispark Thema für viele Diskussionen, morgen schon könnten die Weichen fürs Mittelalter nahe Bärnau gestellt werden. Nach sieben Jahren Planung findet sich das Projekt auf der Zielgeraden. Stimmen Zuschusslage und der rechtliche Rahmen könnten 2010 erste Arbeiten an dem Mittelalterdorf, der Gastronomie mit Tagungsbereich sowie den Wirtschaftsflächen beginnen.
Auf einer Fläche von rund neun Hektar soll im Westen unmittelbar an der Knopfstadt der Geschichtserlebnispark Bärnau-Tachov/Pernolec entstehen. "Es soll kein Mittelalter-Disneyland werden", versicherte Alfred Wolf, Vorsitzender des Vereins "Via Carolina", der für das Vorhaben verantwortlich ist. Vielmehr soll der Park als Geschichts- und Kulturprojekt auch experimentelle Archäologie an der Goldenen Straße beinhalten sowie Natur- und Umwelterziehung bieten. Neben den Gebäuden will der Park mit Beispielen die Landwirtschaft im Mittelalter aufzeigen.
Gastronomie und Badestube
Nach den Plänen sollen interessierte Mittelalterfreunde in den Park wohnen und wirken können, ganz nach mittelalterlichem Vorbild, etwa als Handwerker. Freilich sollen moderne hygienische Anlagen das Leben erleichtern. Besucher können dann Einblicke in diese gelebte Geschichte nehmen. Dazu kommt eine zentrale Anlage als Dreiseithof mit Bildungs- und Tagungsräumen, aber auch einer rustikalen Badestube. Doch Bärnau soll nur ein Standbein der Geschichtsreise werden. 20 Kilometer weiter in Pernolec sind ergänzende Anlagen vom Verein Terra Tachovia vorgesehen. Damit wird der Geschichtspark ein grenzüberschreitendes Projekt, eine Bildungseinrichtung für deutsch-tschechische Geschichte. Und ein echtes Pilotprojekt, sind sich Alfred Wolf und sein tschechischer Partner Roman Sonkop sicher.
Pferdestation
In Pernolec ist zunächst eine Pferdestation und eine Gaststätte an der "Goldenen Straße" vorgesehen. Diese ehemals bedeutende Verkehrsachse zwischen Nürnberg und Prag ist hinter der Grenze noch in vielen Bereichen vorhanden. Die Kosten für die Projekte addieren sich auf einen Millionenbetrag. Und dazu brauchen die Planer Zuschüsse. Unterstützung haben EU, der Freistaat und der Landkreis signalisiert. Gut zehn Prozent der Kosten werden beim Verein bleiben.
In diesen Tagen hat Wolf das interessante Vorhaben dem FDP-Bundestagsabgeordneten Horst Meierhofer vorgestellt, als "Projekt für die gesamte Region". Bei dem Abgeordneten warb Wolf um Unterstützung für das Vorhaben, das einmal an einer Kultur- und Ferienstraße entstehen soll. Aktuell steht der letzte Beschluss über den Bebauungsplan aus, zudem hat die Stadt ein artenschutzrechtliches Gutachten in Auftrag geben.
Begegnungsstätte
Bis Juli hofft Wolf die fertigen Anträge bei der Regierung vorlegen zu können. Der Startschuss könnte dann im Frühjahr 2010 erfolgen. Der gesamte Bau würde sich über fünf Jahre erstrecken. "Es hängt viel Herzblut in den Projekt", zeigte sich der Abgeordnete beeindruckt. Meierhofer sah das Projekt auch als Beitrag zur Zusammenführung beider Länder und als Begegnungsstätte - und versprach seine Unterstützung.
Bärnaus Bürgermeister Peter Hampel befürwortete das Projekt, verwies aber auf die Tatsache, dass verfahrensrechtliche Schritte einzuhalten seien.
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