Tschechische und bayerische Schüler backen Lehmofenbrot

111110_hs_tir.jpgEin eiskalter Böhmerwind bläst über die Bärnauer Hügel. Nebelschwaden ziehen zwischen dem Blockhaus und dem Langhaus hindurch. Wir schreiben das Jahr 800 nach Christus und stehen in einem typischen Grubenhaus mit Strohdach in einem Dorf dieser Zeit. Damals lebten Slaven und Bajuwaren friedlich zusammen. Nun versuchen die Klassen 7a/b der Zakladni Skola aus Marianske Lazne und die Schüler der Klasse M9 der Mittelschule Tirschenreuth im Geschichtspark Bärnau-Tachov unser Mittagsbrot so wie die Menschen vor ca. 1300 Jahren herzustellen.


Archäologe Stefan Wolters beginnt die Führung bei einem großen, flachen Gewässer, in dem mittelalterliche Fischarten leben. Diese waren größtenteils kurz vor dem Aussterben, weil sie bei zu vielen Gräten und zu wenig Fleisch nicht gerade beliebt waren.

Feuerstelle als Wärmequelle
Die Schüler erkunden das Grubenhaus, Langhaus und Blockhaus, die alle mit mittelalterlichen Werkzeugen und Materialien 1:1 nachgebaut wurden. Das Grubenhaus ist wärmer und windgeschützter, weil es sich in den Boden duckt. Eine kleine Feuerstelle im Haus dient als Wärmequelle und zum Kochen, Räuchern und Vertreiben von Ungeziefer.

Natürlich darf die Turmhügelburg nicht fehlen. Die sogenannten Motte diente zur Verteidigung und Überwachung des Dorfes. Bei einem Überfall von Räuberhorden war dieser Turm schwer in Brand zu stecken, konnte aber gut verteidigt werden. Der Nachbau ist aus massiven Eichenholz aus einem Prager Wald gefertigt.

Nach dem Rundgang suchen sich die Schüler Stöcke, schälen sie und spitzen sie an. Im engen, strohgedeckten Lehmhaus haben zwei Helfer, die ihr soziales Jahr ableisten Teig vorbereitet, der um die Stöcke gewickelt und ins Feuer gehalten wird, bis er gold-braun ist.

Doch wie wird Mehl gemahlen und Brot gebacken? Das ist die Frage, die jeden beschäftigt, denn ohne Brot gibt es kein Mittagessen. Alexander und Rainer bekommen von Dr. Benjamin Zeitler zwei Mahlsteine und dazu Roggen und Hirse, das sie zu zu Mehl mahlen. Das strengt an und dauert lange, damals musste viel Zeit für ein Essen aufgewandt werden! Viele Schüler flüchten immer wieder aus dem Haus, weil der Rauch des kleinen Feuers in den Augen beißt. Dann formen sie kleine Laibe aus dem Teig und Stefan Wolters schiebt sie in den Lehmbackofen, der schon seit Stunden vorgeheizt ist.

Zum Brot schmeckt Kräuterbutter. Petersilie, Lauch, Schnittlauch, Maggikraut und Pfefferminz werden aus dem Kräutergarten geholt. Simone und Anja schneiden sie ganz klein. Mit Salz und Butter vermischt ein ausgesprochen schmackhafter Aufstrich.

Zwischendurch füttert eine Gruppe im Schweinestall drei Wollschweine mit Äpfel und Schrot. Die meisten finden die Schweine und vor allem das Jungtier so interessant, dass sie das Gehege am liebsten gar nicht mehr verlassen wollen. Bis das Brot fertig ist, wird "Wikingerschach" gespielt. Man muss mit einem Rundholz die anderen Rundhölzer auf der gegnerischen Seite umwerfen. Das hört sich jetzt einfach an, ist es aber nicht, da in der Mitte das Spielfeldes noch ein Rundholz, der König, steht, der nicht getroffen werden darf. Passiert es trotzdem, verliert die Mannschaft.

Endlich sind die Laibe zu leckerem, krossen Brot gebacken. Heißhungrig bestreichen die Schüler sie mit Kräuterbutter und staunen, wie toll das schmeckt. Aber gebraucht haben sie rund fünf Stunden. Das Leben im Mittelalter war beschwerlich! 

aus Der Neue Tag vom 10.12.2011.