Gewässernachbarschaftstag im Geschichtspark
Zum Gewässer-Nachbarschaftstag der Städte und Gemeinden des Landkreises Tirschenreuth hatte das Wasserwirtschaftsamt Weiden in den Geschichtspark nach Bärnau eingeladen. Neben Fachvorträgen, Diskussionen und einem Erfahrungsaustausch zum Thema "Wasserrahmenrichtlinie" stand auch eine Exkursion zur renaturierten Waldnaab im Geschichtspark auf dem Programm.
Nachbarschaftsberater Ludwig Reitinger konnte als weitere Referenten Herrn Stefan Wolters und Herrn Dr. Benjamin Zeitler vom Geschichtspark begrüßen. Bürgermeister Peter Hampel hieß die Teilnehmer in Bärnau willkommen und freute sich, dass man im Geschichtspark bereits eine konkrete Umsetzung einer Renaturierung begutachten könne.
In seinem Einstiegsreferat erläuterte Herr Reitinger die Wasserrahmenrichtlinie. Sie gibt als Ziel vor, in allen Gewässern einen qualitätvollen Zustand zu erreichen. Das dafür nötige Umsetzungskonzept enthält die konkreten Maßnahmen zur Unterhaltung und zum Ausbau naturnaher Gewässer. Die Wasserläufe sind dabei nachhaltig zu bewirtschaften, so dass zumindest eine Verschlechterung ihres ökologischen und ihres chemischen Zustands vermieden wird. Reitinger betonte, dass bei der Gewässerunterhaltung auf die ökologische Funktionsfähigkeit des Gewässers zu achten sei. Das Umsetzungskonzept kann dabei wie eine Art Fahrplan wirken, der die geplanten Maßnahmen in der Gesamtschau darlegt. Er legte den Vertretern der Kommunen dementsprechend Nahe, eine diesbezügliche Planung anzugehen und sicherte hierfür die Unterstützung des Wasserwirtschaftsamtes zu.
Die archäologischen Quellen und Fundumstände zu Gewässerrändern, Uferbefestigungen und historischen Eingriffen in Flusslandschaften, thematisierte anschließend Stefan Wolters in seinem Referat. Er zeigte den Weg von der Ausgrabung über die Rekonstruktion und Planung bis zur landschaftsbaulichen Umsetzung auf. Der Archäologe ging auch auf Siedlungsfaktoren wie Bodenqualität, Gewässernähe und Verkehrsanbindung ein und diskutierte die Frage, ob sich der mittelalterliche Mensch bereits über komplexe ökologische Zusammenhänge Gedanken gemacht hat und diese sein Handeln beeinflussten. Angesichts der historischen und archäologischen Belege zur rücksichtslosen Waldrodung, der bedenkenlosen Einleitung von Verunreinigungen in Gewässer und einer ungebremsten Ausbeutung von Rohstoffen, muss diese Frage wohl verneint werden. Der oft postulierte Einklang mit der Natur hat im Mittelalter nicht bestanden und erscheint uns heute rückblickend bestenfalls so, aufgrund der damals fehlenden technischen Möglichkeiten zur zerstörenden Einflussnahme auf die Umwelt. Umso erstaunlicher sei es, wie harmonisch und intakt uns diese mittelalterlichen Landschaften heute erscheinen.
Dr. Benjamin Zeitler stellte in seinem Vortrag schließlich vor, wie man ein internationales Workcamp für die Umsetzung von Renaturierungen oder ähnlicher Projekte nutzen kann. Im Geschichtspark wurde über das Wasserwirtschaftsamt ein Workcamp der IJGD (Internationale Jugendgemeinschaftsdienste) veranstaltet. 15 Jugendliche aus zwölf Ländern wirkten bei der Renaturierung der Waldnaab mit und erwiesen sich als große Hilfe. Zeitler berichtete von den vielen positiven Erfahrungen und legte den Kommunalvertretern Nahe, diese Möglichkeit der Projektumsetzung zu nutzen. Man fördere den Austausch junger Menschen, leiste einen Beitrag zur interkulturellen Begegnung und könne ein Projekt öffentlichkeitswirksam umsetzen.
Nach den theoretischen Ausführungen konnten die Teilnehmer im Gelände die einzelnen Wasserbaumaßnahmen des Geschichtspark en Detail kennen lernen. Darüber hinaus berichtete das Geschichtsparkteam viele Details über die Hintergründe der Baumaßnahmen. Herr Reitinger dankte schließlich allen Teilnehmern fürs Kommen und dem Geschichtspark für die hervorragende Organisation der Tagung.


