Einbaum wird zu Wasser gelassen

Mit vereinten Kräften tragen die freiwilligen Helfer aus Tschechien den 300 Kilogramm schweren Einbaum von seiner Produktionsstätte zum Teich im Geschichtspark. Fünf Wochen konnten die Besucher Anatol Donkan beim Bau des Einbaums über die Schultern blicken, bis er am Samstag seine Jungfernfahrt bestehen konnte. Nachdem er dem Einbaum seine typische Form gegeben hat, hat Donkan mit der Hilfe der tschechischen Freiwilligen das Boot mit Birkenruß angekohlt, um das Boot haltbarer zu machen. Die Rußpartikel verbinden sich mit dem Holz und halten schädliche Mikroorganismen und Insekten fern. Anschließend hat er es mit Binsen als eine Art Schleifpapier abgerieben und das Boot erhielt so seine graue Farbe.
Der Einbaum wurde aus einer 70 Jahre alten Pappel gefertigt, die die Arge Fisch gespendet hat. Dieses Holz eignet sich besonders gut für den Einbaumbau, da die Pappel sehr gerade wächst. Aus dem 13 Meter langen Baum formte Donkan das 7,70 Meter lange Boot, dass ohne Probleme Lasten von 40 Zentnern oder mehr transportieren kann.
Um eine für unsere Region authentische Rekonstruktion zu erhalten, ist der Einbaum einem Fund bei Ausgrabungen eines westslawischen Siedlungsgebietes in der Nähe von Grzybowo in Polen nachempfunden. Daraus lässt sich erkennen, dass der Einbaum in drei verschieden große Einheiten unterteilt war, die auch zu unterschiedlichen Zwecken dienten. In der kleinsten Abteilung am Heck des Bootes, transportierten in früheren Zeiten die Fischer ihre Netze. Der mittlere Teil wurde als eine Art Steuerzentrum genutzt. Dort saßen oder standen die Fischer und paddelten beziehungsweise stakten, je nach Wassertiefe, um vorwärts zu kommen. Speere mit Dreizack, mit denen sie schwere Fische ins Boot hievten, gehörten ebenfalls zur Ausrüstung im Fischerboot. Den größten Bereich im Bug des Einbaums füllten sie einige Zentimeter mit Wasser. Dort hälterten die Fischer ihren Fang, um ihn frisch zu halten. Schon damals wurde rege Handel getrieben. So fuhren die Fischjäger von Dorf zu Dorf und tauschten oder verkauften Teile ihres Fangs.
Bei guter Pflege wird der Einbaum dem Geschichtspark 2 oder sogar 3 Generationen erhalten bleiben und nachdem er die erste Fahrt auf dem Teich gut überstanden hat, freuen wir uns darauf, am 3. Oktober Fische mit Hilfe des Bootes zu fangen. Im Teich befinden sich verschiedene mittelalterliche Fischsorten, wie beispielsweise der Nerfling oder die Karausche, die vom Boot aus mit Netzen, Haken, Reusen oder Speeren gefangen wurden. Nachdem Anatol Donkan das Steuern des Bootes mit den Staken erklärt hat und einige Mutige eine Probefahrt absolviert haben, wartet der Einbaum nun am Rande des Teichs auf seinen Einsatz beim Aktionstag „Fisch im Mittelalter“.