"Aktiv-Rentner" bauen Slawenhaus

Slawisches Flechtwandhaus„Es wäre wirklich schade, wenn wir nicht dabei gewesen wären.“ Max Gmeiner ist mächtig stolz auf seine Siedler. Die Hermannsreuther sind die ersten aus der Knopfstadt, die die bauliche Patenschaft für eines der Häuser im Geschichtspark übernommen haben. Gemeinschaftsgeist haben die Siedler schon vor über 60 Jahren gezeigt, als sie in nur wenigen Monaten „Am Buchberg“ ein neues Dorf  Hermannsreuth-Siedlung aus dem Boden stampften.

 

Baubesprechung für das Flechtwandhaus

Insofern war es für den Vorsitzenden und seine Mitstreiter klar, als die Geschichtspark-Initiatoren um Mithilfe baten: „Da müssen wir dabei sein, wenn schon so eine Millioneninvestition nach Bärnau kommt.“Gmeiner weiß sich da in bester Gesellschaft. Da sind die auf der Baustelle, die immer da sind vom Verein „Via Carolina“, die jede freie Minute für das grenzüberschreitende Projekt opfern. Aber auch viele Mitstreiter außerhalb der Stadtgemeinde packen mit an. Eine Frau aus Weiden schneidet Weiden für die Flechtwände. Sie und ein paar andere aus der Max-Reger-Stadt interessieren sich für das Mittelalter, wollen von Anfang an mit dabei sein, wenn in Bärnau diese Zeit erlebbar wird. Hinten am Gelände steigt gerade eine Gruppe junger Männer aus Nabburg einem Pfostenhaus aufs Dach und bringt Hölzer für die spätere Eindeckung an. Und mittendrin die Hermannsreuther. Ein slawisches Wohnhaus haben sie sich ausgesucht, ein einräumiges Gebäude mit Walmdach, wie es in der Siedlungsphase des 9. und 10. Jahrhunderts üblich war. Es diente nicht nur zum Wohnen, sondern war auch Werkstatt oder Stall. Der Boden blankes Erdreich, manchmal auch mit Balken oder Rundhölzern „wohnlich“ eingerichtet.

Bau der FlechtwandIn Rekordzeit haben die Hermannsreuther „ihr“ Haus aufgestellt. „Aktiv-Rentner“ sagt der ehemalige Banker Max Gmeiner zu seiner Mannschaft aus Zimmerern und Tiefbau-Fachleuten, die sich längst noch nicht alle aus dem Berufsleben verabschiedet, dafür aber ihr ganzes Know-how in die Geschichtspark-Baustelle gelegt haben. Und erstmals haben sie eine Art Fertigbauweise angewandt. Bisher wurde bei den Rekonstruktionen stets das Gerüst des Hauses komplett aufgestellt und dann erst wurden die Weidenwände eingeflochten. Eine kraftraubende und mühevolle Arbeit. So entstand die Idee, stattdessen die Wände bereits auf dem Bauplatz als „Fertigbauteile“ vorzufertigen und sie anschließend an Ort und Stelle zusammenzufügen. Das hat super geklappt. Jetzt müssen die Weidenflechten nur noch mit Lehm ausgekleidet werden.

Die Baugruppe Frühmittelalter wächst„Wir haben es uns schwieriger vorgestellt“, erzählt Max Gmeiner, während gerade der Dachstuhl gehoben und die Balken mit dicken Eichennägeln fixiert werden. So rund 35 Stunden Arbeit hat jeder der acht Hermannsreuther in „sein“ Haus investiert. „Das ist doch für jeden machbar“, hofft der Siedler-Vorsitzende, dass das Beispiel Schule macht und sich auch noch andere Stadtteil-Gemeinschaften und Vereine engagieren. „Weh tut es nicht, außer man haut sich mit dem Hammer auf den Daumen.“

 

Aus der Neue Tag vom 29.03.2011.