Flechtwandhaus: Fertigbau im Mittelalter?

Vorbereitungen für das FlechtwandhausIm Geschichtspark wird gerade zügig an den Mittelalterhäusern gearbeitet. Neben dem slawischen Pfostenhaus, das bereits aufgestellt wurde, steht nun ein weiteres Haus im Bereich Frühmittelalter kurz vor dem Aufbau. Das ist einer Gruppe aus Hermannsreuth zu verdanken, die sich entschlossen haben, ein komplettes Haus zu bauen. Und diesen Plan setzen sie gerade in Rekordzeit in die Tat um: Nachdem sie letzte Woche mit dem Behauen des Holzes begannen, ist diese Woche schon alles für den nächsten Schritt bereit. Dabei kommt erstmals ein neuartiger Ansatz bei der Bauweise zur Anwendung...

 

Flechtwand-

Denn anhand des Flechtwandhauses werden wir ein Experiment in Sachen Aufbau durchführen. Bisher wurde bei Rekonstruktionen stets das Gerüst des Hauses komplett aufgestellt, um anschließend die Wände in den fertigen Rahmen einzuflechten. Allerdings erfordert es oft einige Kraft und Mühe, die Weidenzweige durch die fest eingefügten Staken zu ziehen, da recht wenig Arbeitsraum und Flexibilität vorhanden ist. So entstand die Idee, stattdessen die Wände bereits auf dem Bauplatz sozusagen als "Fertigbauteile" vorzufertigen und sie anschließend an Ort und Stelle zusammenzufügen. Daher wurden nun die Staken schon in die Pfetten eingesetzt und die einzelnen Wände auf dem Kopf behelfsmäßig aufgerichtet. So lassen sich die Flechtwände recht einfach einziehen und es entstehen stabile "Fertigbauwände". Beim Aufstellen in den nächsten Tagen wird sich dann zeigen, ob diese Technik praktikabel und tatsächlich einfacher ist. Durch den bisherigen Arbeitsablauf erscheint es aber durchaus vorstellbar, dass auch im Mittelalter bei kleineren Häusern eine solche "Fertigbauweise" zum Einsatz kam.

Flechtwand-